Jugendhilfeeinrichtungen

Jugendhilfeeinrichtungen sind ein wichtiger Bestandteil für die Kinder- und Jugendhilfe. Sie schaffen positive Lebensbedingungen für junge Menschen, die therapeutische Maßnahmen benötigen oder aufgrund schwieriger Lebensbedingungen in der Herkunftsfamilie auf eine mittel- bis langfristige Wohnmöglichkeit angewiesen sind. Hier erfahren Sie mehr über die Träger von Jugendhilfeeinrichtungen, worauf bei einer Gründung geachtet werden muss und wie eine Einrichtung finanziert werden kann.

Definition und Funktion von Jugendhilfeeinrichtungen

Eine Jugendhilfeeinrichtung ist eine Einrichtung, in der Kinder oder Jugendliche ganztägig oder für einen Teil des Tages betreut werden oder eine Unterkunft erhalten (z.B. Einrichtungen der Eingliederungshilfe für Minderjährige, Internate, Jugendherbergen und Schülerwohnheime). Die Einrichtungen sind ein wichtiger Bestandteil für die Kinder- und Jugendhilfe. Sie sorgen dafür, dass die Jungen Menschen gefördert und beraten werden und dass Benachteiligungen vermindert bzw. verhindert werden.

Außerdem schaffen Jugendhilfeeinrichtungen positive Lebensbedingungen und schützen die jungen Menschen. Die Einrichtungen befinden sich in öffentlicher (kommunale Jugendämter) oder freier Trägerschaft (Personengesellschaften, Genossenschaften, Stiftungen sowie Vereine).

Lesen Sie auch: Stationäre JugendhilfeAmbulante Jugendhilfe.

Träger von Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen

Aufgaben von Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen werden von öffentlichen und freien Trägern wahrgenommen. Das sind:

Öffentliche Träger:

  • Länder
  • Landkreise
  • Kreisfreie Städte 
  • Jugendämter
  • Landesjugendämter

Freie Träger:

  • Verbände der freien Wohlfahrtspflege
  • Jugendverbände
  • Kirchen
  • Religionsgemeinschaften öffentlichen Rechts

Freie Träger mit besonderem Status:

  • Deutscher Caritas-Verband (katholische Kirche)
  • Diakonisches Werk (evangelische Kirche)
  • Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland
  • Deutsches Rotes Kreuz
  • Arbeiterwohlfahrt
  • Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband

Anerkennung als Träger der freien Jugendhilfe

Eine Anerkennung erhalten die Träger, wenn sie

  • auf dem Gebiet der Jugendhilfe nach § 1 (Recht auf Erziehung, Elternverantwortung, Jugendhilfe) tätig sind
  • gemeinnützige Ziele verfolgen
  • aufgrund der fachlichen und personellen Voraussetzungen erwarten lassen, dass sie einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Erfüllung der Aufgaben der Jugendhilfe zu leisten imstande sind
  • die Gewähr für eine den Zielen des Grundgesetzes förderliche Arbeit bieten.

Wer auf dem Gebiet der Jugendhilfe mindestens drei Jahre tätig gewesen ist, hat einen Anspruch auf eine Anerkennung als Träger der freien Jugendhilfe. Kirchen und Religionsgemeinschaften des öffentlichen Rechts sowie Verbände der freien Wohlfahrtspflege, die auf Bundesebene zusammengeschlossenen wurden, sind Träger der freien Jugendhilfe.

Jugendhilfeeinrichtung gründen und eröffnen

Der Träger einer Jugendhilfeeinrichtung benötigt nach § 45 SGB VIII für den Betrieb seiner Einrichtung eine Erlaubnis. Die Einrichtung – das gilt auch für etwaige neue Teile bzw. Bereiche einer Einrichtung – darf erst nach Erlaubniserteilung ihren Betrieb aufnehmen. Der Antrag dafür ist über das örtlich zuständige Jugendamt dem Landesjugendamt für Soziales und Integration zuzuleiten, das nach stattgegebenem Antrag den Bescheid zur Betriebserlaubnis erteilt. 

Eine Erlaubnis wird erteilt, wenn das Wohl der Kinder und Jugendlichen in der Einrichtung gewährleistet ist. Davon wird ausgegangen, wenn der Träger der Einrichtung die erforderliche Zuverlässigkeit besitzt und räumliche, fachliche, wirtschaftliche und personelle Voraussetzungen der Einrichtung für den Betrieb erfüllt und gewährleistet werden. Dazu muss der Einrichtungsträger nachweisen, dass die gesellschaftliche und sprachliche Integration und ein gesundheitsförderliches Lebensumfeld in der Einrichtung unterstützt werden und dass die gesundheitliche Vorsorge und die medizinische Betreuung der Kinder und Jugendlichen gegeben sind.

Zum Schutz und zur Sicherung der Rechte von Kindern und Jugendlichen müssen außerdem ein Beteiligungs- und Beschwerdekonzept sowie ein Präventions- und Schutzkonzept eingereicht werden.

Nicht alle Institutionen müssen einen Antrag auf Betriebserlaubnis stellen. Ausnahmen gelten für:

  • Jugendfreizeiteinrichtung, Jugendbildungseinrichtung, Jugendherberge oder Schullandheim
  • Schülerheim und Internat, die landesgesetzlich der Schulaufsicht unterstehen
  • Eine Einrichtung, die außerhalb der Jugendhilfe liegende Aufgaben für Kinder oder Jugendliche wahrnimmt, wenn für sie eine entsprechende gesetzliche Aufsicht besteht oder im Rahmen des Hotel- und Gaststättengewerbes der Aufnahme von Kindern oder Jugendlichen dient

Finanzierung von Jugendhilfeeinrichtungen

Seit der Verabschiedung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes 1989 werden Jugendhilfeeinrichtungen auf zwei Arten gefördert:

  • Förderung der freien Jugendhilfe per Finanzierung der Infrastruktur (§ 74 SGB VIII)
  • Entgeltfinanzierung für Einrichtungen und ambulante Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe (§§ 78 a ff. und 77 SGB VIII).

Für die Finanzierung von Jugendhilfeeinrichtungen und Diensten der Kinder- und Jugendhilfe werden folgende Grundlagen herangezogen:

  • Förderung (§ 74 SGB VIII):
    Die Einrichtungen erhalten hauptsächlich Förderungen bzw. Zuwendungen von den Trägern der öffentlichen Jugendhilfe. Wie hoch die Förderung ausfällt und welcher Art sie ist, entscheidet der Träger „im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel nach pflichtgemäßem Ermessen“. Um eine Förderung zu erhalten, ist eine angemessene Eigenleistung Voraussetzung. Dafür berücksichtigt der öffentliche Träger die unterschiedliche Finanzkraft und die sonstigen Verhältnisse der Einrichtung. Kirchliche Einrichtungen beispielswiese profitieren von Kirchensteuern und erhalten demnach weniger Mittel für die Finanzierung.

  • Entgeltfinanzierung im jugendhilferechtlichen Dreieck (Leistungsverpflichteter (Jugendamt), Leistungsberechtigte (Eltern, junger Mensch), Leistungserbringer (Dienst, Einrichtung)):
    Laut §§ 78 a ff. und ggf. 77 SGB VIII können Finanzierungen zu (teil-)stationären Leistungsangeboten, Entgelten und zur Qualitätsentwicklung unterschiedlich geregelt werden. Haben Jugendhilfeeinrichtungen solche Vereinbarungen mit der zuständigen öffentlichen Jugendhilfe (Jugendamt) abgeschlossen, dann können sie eine Entgeltübernahme beanspruchen. Die Übernahme des Entgelts fällt durch die Inanspruchnahme der Leistungsberechtigten an. Allerdings gelten diese Regelungen nicht bundeseinheitlich für die Finanzierung von Leistungen der Einrichtungen. Jedes Bundesland kann diesbezüglich eigene Regelungen treffen.

  • Zweiseitiges Vertragsverhältnis zwischen öffentlichem und freiem Träger der Jugendhilfe (§ 77 SGB VIII und § 36a SGB VIII):
    Bei ambulanten Leistungen kann auch ein zweiseitiges Vertragsverhältnis zwischen den Trägern der öffentlichen und der freien Jugendhilfe vereinbart werden. Damit Hilfen schnell gesichert werden, können einige ambulante Leistungen von den Leistungsberechtigten (Eltern, junger Mensch) ohne eine Einzelfallentscheidung des Jugendamtes direkt beansprucht werden (Erziehungsberatungsstellen, Beratung von Herkunftseltern und Pflegeeltern).

  • Sonderregelungen zur Finanzierung von Kindertageseinrichtungen (§ 74a SGB VIII und § 36a SGB VIII):
    Sollen ambulante Hilfen schnell und unmittelbar in Anspruch genommen werden, gibt es eine Sonderregelung. So soll der Träger der öffentlichen Jugendhilfe mit den Trägern der Leistungserbringern Vereinbarungen schließen, um die Art der Leistungserbringung sowie die Kostenübernahme zu regeln.

Therapeutische Jugendhilfeeinrichtungen in Deutschland

In Deutschland gibt es verschiedene Einrichtungen, die eine (sozial-)therapeutische Ausrichtung junger Menschen verfolgen. Hier erhalten Sie einen Überblick.

Jugendhilfeeinrichtungen für Autisten

Autismus ist eine schwerwiegende Entwicklungsstörung und Behinderung, die sich bereits im frühen Kindesalter äußert und deren Ursache nach wie vor nicht eindeutig geklärt ist. Betroffene haben motorische und häufig psychiatrische Störungen und fast immer Probleme, sich in sozialen Zusammenhängen zu orientieren und zu integrieren.

Ziele der Einrichtungen für Autismus sind, den Betroffenen einen guten Umgang mit der Störung zu ermöglichen, deren Familien zu entlasten und die Chancen einer Integration in Gesellschaft und Arbeitsleben zu erhöhen.

Suchtspezifische Jugendhilfeeinrichtungen

Jugendliche mit Abhängigkeitserkrankungen oder Alkohol- und Drogenmissbrauchs-erfahrungen haben die Möglichkeit, in spezialisierten Jugendhilfeeinrichtungen therapeutische Maßnahmen zu erhalten.

Ziele sind, eine Motivation zur Abstinenz zu schaffen, die Abhängigkeitskarriere aufzuarbeiten sowie einzelne psychische und soziale Kompetenzen zu erwerben.

Traumapädagogische Jugendhilfeeinrichtungen

Junge Menschen mit traumatisierenden Erlebnissen, biographischen Belastungen und einer damit einhergehenden Bindungsproblematik finden Hilfe in Einrichtungen mit traumapädagogischem Schwerpunkt und damit eine mittel- bis langfristige Alternative zur Herkunftsfamilie.

Ziele sind, den Jugendlichen äußere und innere Sicherheit zu geben, ihnen Struktur und Orientierung in lebenspraktischen Bereichen (z.B. Hauswirtschaftliche Tätigkeiten) zu bieten und bei der Auseinandersetzung mit emotionalen und psychischen Schwierigkeiten zu unterstützen.

Kinder- und Jugendpsychiatrie

Eine Kinder- und Jugendpsychiatrie behandelt junge Menschen unter 21 Jahren mit psychischen, psychosomatischen und neurologischen Störungen und betrachtet außerdem entwicklungsbedingte und soziale Auffälligkeiten der Betroffenen. Die Kinder- und Jugendpsychiatrie befasst sich mit Diagnostik, Behandlung, Vorsorge und Rehabilitation der genannten Störungen.

Die Kinder und Jugendlichen können stationär in Kliniken, durch niedergelassene Kinder- und Jugendpsychiater sowie durch einen kinder- und jugendpsychiatrischen Dienst ambulant behandelt werden.

Freie Plätze finden für therapeutische Wohngruppe, Heimerziehung & weitere Jugendhilfeeinrichtungen

Auf den Online-Portalen Freiplatzmeldungen.de sowie Freie-plaetze.de können Suchende kostenlos und ohne Registrierung über eine einfache Filterfunktion freie Plätze in Heimeinrichtungen, Jugendwohngemeinschaften, Betreutes Wohnen, ambulante Hilfen etc. nach SGB VIII und SGB IX einsehen und bei Interesse direkt mit dem Anbieter Kontakt für weitere Informationen aufnehmen.

Auf Freiplatzmeldungen.de werden außerdem freie Jobs in sozialen Organisationen veröffentlicht.

Ein Verzeichnis von Jugendhilfeeinrichtungen in Deutschland folgt.